Österreich

Österreichs Schulden explodieren – stärkerer Anstieg als in den meisten EU-Ländern

Die Schuldenquote Österreichs stieg im ersten Quartal um zwei Prozentpunkte auf 83,5 Prozent und liegt damit leicht über dem EU-Durchschnitt.
Österreichs Schulden explodieren – stärkerer Anstieg als in den meisten EU-LändernQuelle: Gettyimages.ru © Jim Dyson/Getty Images

Die österreichische Schuldenquote ist im ersten Quartal 2026 deutlich gestiegen. Nach Angaben der Statistik Austria lag der öffentliche Schuldenstand Ende März bei 431,4 Milliarden Euro. Das entspricht 83,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – 2,0 Prozentpunkte mehr als zum Jahresende 2025.

Der absolute Schuldenberg wuchs innerhalb von drei Monaten um 13,3 Milliarden Euro. Der Großteil des Anstiegs entfiel auf den Bund mit plus 14,1 Milliarden Euro. Ein Teil der Mittel diente der Finanzierung des laufenden Defizits, ein anderer dem Aufbau von Liquiditätsreserven. Länder und Gemeinden trugen nur geringfügig zum Plus bei; die Sozialversicherung reduzierte ihre Verbindlichkeiten sogar leicht.

Das öffentliche Defizit betrug im ersten Quartal 7,3 Milliarden Euro oder 5,8 Prozent des BIP. Einnahmen von 60,5 Milliarden Euro standen Ausgaben von 67,8 Milliarden Euro gegenüber.

Mit 83,5 Prozent liegt Österreich leicht über dem EU-Durchschnitt und klar unter dem Durchschnitt der Eurozone. Höhere Schuldenquoten weisen weiterhin Griechenland, Italien, Frankreich, Belgien, Spanien, Portugal und Finnland auf. Österreich befindet sich damit auf Platz acht der höchstverschuldeten EU-Staaten.

Mehrere nord- und osteuropäische Länder bleiben jedoch deutlich darunter: Estland, Dänemark, Bulgarien und Luxemburg weisen Quoten von unter 30 Prozent aus und erfüllen damit klar das Maastricht-Kriterium von 60 Prozent.

Der Anstieg der österreichischen Staatsverschuldung gehört zu den stärkeren Bewegungen in der EU. Noch ausgeprägter war die Zunahme in einzelnen kleineren Mitgliedstaaten. EU-weit und in der Eurozone stiegen die durchschnittlichen Schuldenquoten ebenfalls.

Wirtschaftsforschungsinstitute und der Fiskalrat rechnen damit, dass die Schuldenquote im Gesamtjahr 2026 bei rund 83 Prozent und 2027 bei knapp 84 bis 85 Prozent liegen wird. Das strukturelle Defizit bleibt nach aktuellen Prognosen bei etwa 4 Prozent des BIP und damit deutlich über der Maastricht-Grenze von 3 Prozent.

Die Zinsausgaben steigen bereits spürbar und werden in den kommenden Jahren einen wachsenden Anteil des Budgets beanspruchen. Ohne zusätzliche Konsolidierungsmassnahmen ist eine Stabilisierung der Quote unwahrscheinlich. Das Wirtschaftswachstum reicht nach Einschätzung der Institute derzeit nicht aus, um den Anstieg der Schuldenlast zu kompensieren.

Österreich verfügt weiterhin über eine solide Bonität und einen tiefen Kapitalmarktzugang. Dennoch zeigt die Entwicklung des ersten Quartals, dass der fiskalische Spielraum enger wird. Die kommenden Budgets und die Umsetzung der geplanten Sparmassnahmen werden entscheiden, ob die Schuldenquote mittelfristig wieder unter Kontrolle gebracht werden kann.

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