Meinung

Ponzi-System: Trumps Zollplan blutet die USA finanziell aus

Der US-Zollkrieg, der als Druckmittel gedacht war, entwickelt sich zu einem Katalysator der Deglobalisierung, die die Vereinigten Staaten selbst stärker trifft als ihre Gegner. Die US-amerikanische Wirtschaft verliert an Boden auf den Auslandsmärkten, und der inländische Verbraucher zahlt für die Fehler eines überdrehten US-Präsidenten.
Ponzi-System: Trumps Zollplan blutet die USA finanziell aus

Von Gleb Prostakow

Im Juni 2026 begann Donald Trumps Zollmaschinerie, sich gegen ihn zu wenden. Zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen rutschte die Nettobilanz der Zölle tief in die Minuszone: Die Rückerstattungen an Importeure überstiegen die neuen Abgaben um 26 Milliarden US‑Dollar. Im Juli blieb das Defizit bei 9,4 Milliarden US-Dollar, und auch für August wird ein Zolldefizit erwartet. Das lässt sich also bereits als anhaltender Trend bezeichnen. Das System, das eigentlich den Haushalt füllen sollte, hat sich in einen Kanal für den Finanzmittelabfluss verwandelt.

Die aktuellen Rückerstattungen sind eine Folge der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA vor einem halben Jahr. Im Februar 2026 erklärte dieser die auf der Grundlage des Gesetzes über internationale wirtschaftliche Notstandsbefugnisse eingeführten Zölle für rechtswidrig. Die Trump-Regierung hatte die "Notstandsbefugnisse" genutzt, um die umfangreichen Zolländerungen von 2025 zu rechtfertigen, doch das Gericht entschied, dass der US-Präsident seine Befugnisse überschritten habe. Die US-Regierung wurde verpflichtet, den Importeuren die zu Unrecht einbehaltenen Gelder zurückzuerstatten. Bis Anfang August wurden von den 166 Milliarden US-Dollar, die im Rahmen dieser Regelung eingenommen wurden, bereits rund 100 Milliarden US-Dollar zurückgezahlt. So erhielt etwa die deutsche Wirtschaft rund 790 Millionen Euro, davon gingen 416 Millionen Euro an DHL, bis zu 300 Millionen Euro erwartet Adidas und rund 200 Millionen Euro Siemens Healthineers.

Bemerkenswert ist, dass den Endverbrauchern niemand eine Rückerstattung verspricht. US-amerikanische Haushalte, die monatelang überhöhte Preise für Importwaren gezahlt haben, kommen in dem Entschädigungssystem überhaupt nicht vor. Die Wirtschaft hat ihr Geld bekommen, der einfache US-Amerikaner hingegen Inflation. Das bringt dem Lager von Trump bei den bevorstehenden US-Kongress-Zwischenwahlen keine Pluspunkte ein.

Trump ist in eine Falle geraten, die er selbst gestellt hat. Um das entstandene Finanzloch, das durch die Rückerstattungen entstanden ist, zu stopfen, ist er gezwungen, neue Zölle einzuführen, die wiederum vor Gericht angefochten werden und mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls für rechtswidrig erklärt werden. Ein klassisches Ponzi-System. Die neuen Einnahmen werden zur Begleichung alter Verbindlichkeiten benötigt und nicht zur Finanzierung tatsächlicher Haushaltsausgaben. Ende August führte die US-Regierung Zölle in Höhe von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar ein. Die Verhandlungen mit Ottawa scheiterten, der kanadische Premierminister Mark Carney rief die Delegation zurück und versprach eine symmetrische Reaktion – "Dollar für Dollar". Der Handelskrieg der USA mit ihrem nächsten Nachbarn flammte mit neuer Wucht auf.

Vor diesem Hintergrund überschritt die Staatsverschuldung der USA die psychologische Marke von 40 Billionen US‑Dollar. Die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen stieg auf über fünf Prozent – ein Niveau, das seit dem Jahr 2007, dem Vorboten der letzten großen Finanzkrise, nicht mehr erreicht wurde. Die Kosten für den Schuldendienst übersteigen bereits den US‑Verteidigungshaushalt. Das US-Haushaltsdefizit beläuft sich auf rund zwei Billionen US-Dollar pro Jahr.

Die US-Zölle sollten neben umfangreichen Ausgabenkürzungen ein Instrument zur Haushaltssanierung sein. Doch nach dem Ausscheiden von Elon Musk aus der US-Regierung beschloss man, die Kürzungen zu vergessen. Und nun versagen auch die Zölle. Stattdessen sind sie zu einer zusätzlichen Quelle der Instabilität geworden. Die Rückerstattung von Zöllen an Importeure stellt direkte Ausgaben für die US-Staatskasse dar, die in keiner Prognose berücksichtigt wurden. Die US-Regierung versucht, dieses Loch mit neuen Abgaben zu stopfen, doch jede neue Abgabe stößt auf Klagen und Gegenmaßnahmen der Handelspartner. China, Kanada, die Europäische Union – sie alle führen Vergeltungszölle auf US-amerikanische Waren ein. Die US-Exporte schrumpfen, die Inlandspreise steigen, und das Haushaltsdefizit wächst weiter an.

Die Situation wird dadurch verschärft, dass der Rest der Welt seine Investitionen in US-Staatsanleihen rasant reduziert. Die größten Inhaber von Staatsanleihen bauen ihre Positionen ab, da sie sowohl die fiskalische Instabilität der USA als auch politische Risiken fürchten, die mit der Nutzung des US-Dollars als Druckmittel verbunden sind. Die Nachfrage nach US-Wertpapieren sinkt, die Renditen steigen, die Kosten für den Schuldendienst nehmen zu.

Ein Teufelskreis, aus dem für die USA nur ein großer Krieg einen Ausweg bieten könnte, in den die USA selbst nicht oder nur in begrenztem Umfang verwickelt wären – analog zum Zweiten Weltkrieg. Alternativ könnte ein massiver Inflationsschock und eine Abwertung des US-Dollars – und damit auch der Auslandsschulden – der Ausweg sein. Doch jeder US-Präsident, einschließlich Trump, zieht es vor, dass dies "nicht während seiner Amtszeit" geschieht.

Im Grunde beobachten wir zwei ineinander verschachtelte Ponzi-Systeme. Das äußere ist die Staatsverschuldung der USA, die schon seit Langem nicht mehr durch reales Wirtschaftswachstum, sondern durch neue Kreditaufnahmen bedient wird. Der Verkauf von Staatsanleihen dient nicht der Finanzierung von Infrastruktur- oder Technologieentwicklung, sondern der Begleichung der Zinsen für die zuvor angehäuften Schulden. Das innere System ist Trumps Zollpolitik, bei der neue Zölle nicht zum Schutz des Marktes oder zur Aufstockung des Haushalts eingeführt werden, sondern zur Deckung der Verluste aus der Rückerstattung unrechtmäßig eingenommener Gelder. Beide Systeme erfordern einen ständigen Zufluss neuen Geldes, um nicht zusammenzubrechen.

Trump tut weiterhin so, als habe er alles unter Kontrolle. Seine Aussagen über ein "kolossales Wachstum" der Wirtschaft und die Lösung des Schuldenproblems auf Kosten des BIP klingen immer realitätsferner.

Unterdessen passt sich die internationale Gemeinschaft an. Die Handelspartner der USA suchen nach alternativen Märkten, diversifizieren ihre Währungsreserven und bauen Umgehungslogistikketten auf. Der Zollkrieg, der als Druckmittel gedacht war, wird zum Katalysator der Deglobalisierung, die die Vereinigten Staaten selbst stärker trifft als ihre Gegner. Die US-amerikanische Wirtschaft verliert an Boden auf den Auslandsmärkten, und der inländische Verbraucher zahlt für die Fehler des überdrehten US-Präsidenten.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 7. September 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

Gleb Prostakow ist ein russischer Wirtschaftsanalyst.

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