Liveticker Iran-Krieg – Iranisches Trolling erinnert an das Ende des spanischen Weltreichs

8.05.2026 20:19 Uhr
20:19 Uhr
US-CENTCOM postet Bilder von Zerstörern, um zu beweisen, dass sie unbeschädigt sind
57 Schiffe habe die US-Marine bisher zur Umkehr gezwungen, preist sich das US-CENTCOM, das Kommando, dem die Blockade vor dem Persischen Golf untersteht. Vier Schiffe seien dabei funktionsuntüchtig gemacht worden, um sie an der Einfahrt in oder dem Verlassen von iranischen Häfen zu hindern.
Photos of USS Truxtun (DDG 103), USS Rafael Peralta (DDG 115), and USS Mason (DDG 87) operating in the Middle East. The three destroyers are currently sailing in the Arabian Sea supporting the blockade against Iran. As of today, CENTCOM forces have redirected 57 commercial… pic.twitter.com/iFHp1HHMac
— U.S. Central Command (@CENTCOM) May 8, 2026Und dann bebildert das CENTCOM seine Nachricht mit Aufnahmen, die die drei Zerstörer zeigen sollen, die in der Straße von Hormus unterwegs sind. Die Nummern der Schiffe stimmen zumindest mit den Angaben überein – aber nichts an den Aufnahmen belegt, dass sie aktuell sind und in der angegebenen geografischen Region gemacht wurden.
Es ist aber auf jeden Fall interessant, dass sich das CENTCOM veranlasst sieht, ein "Lebenszeichen" der drei Zerstörer zu veröffentlichen. Es gab nämlich von iranischer Seite Meldungen, einer der drei sei zerstört worden.
19:04 Uhr
CENTCOM: "Außer Gefecht gesetzt" – USA stoppen zwei mutmaßlich iranische Tanker
Das US-Militär hat nach eigenen Angaben zwei weitere iranische Öltanker im Golf von Oman "außer Gefecht gesetzt". Wie das US-Zentralkommando (CENTCOM) mitteilte, seien die unter iranischer Flagge fahrenden Tanker "M/T Sea Star III" und "M/T Sevda" daran gehindert worden, iranische Häfen anzulaufen. Demnach griffen Kampfjets vom US-Flugzeugträger "USS George H.W. Bush" die Schiffe an und beschädigten sie mit Präzisionsmunition.
Bereits zwei Tage zuvor hatte das US-Militär nach eigenen Angaben den Tanker "M/T Hasna" im Golf von Oman gestoppt. Dabei wurde laut CENTCOM das Ruder des Schiffes durch Schüsse eines Kampfjets vom Flugzeugträger USS Abraham Lincoln beschädigt.
Die USA begründen die Einsätze mit der Durchsetzung ihrer Blockade gegen Iran. Nach Angaben des US-Militärs wurden bereits mehrere Handelsschiffe außer Gefecht gesetzt und mehr als 50 weitere Schiffe umgeleitet.
18:57 Uhr
Macgregor: "Die Welt sieht Iran als Helden, der den Tyrannen USA und Israel trotzt"
In einem Interview mit "Redacted" warnt der Oberst a. D. der US-Armee und Politikwissenschaftler Douglas Macgregor vor einer Eskalation im Nahen Osten. Während die westliche "Anglosphäre" isoliert bliebe, sähe der Rest der Welt in Iran einen Helden gegen die USA und Israel.
Macgregor betont, dass die massiv verlegten US-Flugzeugträgerverbände, Luftwaffeneinheiten und Marineinfanteristen nicht ewig in Alarmbereitschaft verharren können, ohne auszubrennen. Da ein Rückzug nicht geplant sei, stehe laut Macgregor ein militärischer Einsatz dieser Kräfte unmittelbar bevor.
18:20 Uhr
Araghtschi: USA entscheiden sich für rücksichtslose militärische Abenteuer
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hat sich auf X unter anderem zu dem von der Washington Post erwähnten CIA-Bericht geäußert: "Die CIA liegt falsch. Unser Raketenbestand und unsere Kapazität an Abschussanlagen liegt nicht bei 75 Prozent im Vergleich zum 28. Februar. Die richtige Zahl ist 120 Prozent."
Every time a diplomatic solution is on the table, the U.S. opts for a reckless military adventure. Is it a crude pressure tactic? Or the result of a spoiler once again duping POTUS into another quagmire? Whatever the causes, outcome is the same: Iranians never bow to pressure. pic.twitter.com/ev7dMIebNB
— Seyed Abbas Araghchi (@araghchi) May 8, 2026Bezogen auf die Verhandlungsbereitschaft der USA zeigte er wenig Optimismus: "Jedes Mal, wenn eine diplomatische Lösung auf dem Tisch liegt, entscheiden sich die USA für ein rücksichtsloses militärisches Abenteuer. Ist das eine rohe Taktik, Druck auszuüben? Oder das Ergebnis eines Durchstechens, um POTUS noch einmal in einen anderen Sumpf zu stoßen?"
Auch der Sprecher des iranischen Außenministeriums Esmail Baghaei hielt mit seiner Meinung über die US-Vertreter nicht hinter dem Berg.
"Wooden-headness, the source of self-deception, is a factor that plays a remarkably large role in government. It consists in assessing a situation in terms if preconceived fixed notions while ignoring or rejecting any contrary signs. It is acting according to wish while not… pic.twitter.com/0iMjFfPLU4
— Esmaeil Baqaei (@IRIMFA_SPOX) May 6, 2026Er zitierte die US-Journalistin und -Historikerin Barbara Tuchmann mit einer Begriffserklärung zu "Engstirnigkeit" aus ihrem Buch "Die Torheit der Regierenden" von 1984:
"Engstirnigkeit, die Quelle der Selbsttäuschung, ist ein Faktor, der eine überaus wichtige Rolle in der Politik spielt. Sie besteht darin, eine Situation nach vorgefassten Anschauungen einzuschätzen und gegenteilige Anzeichen zu missachten oder zu verleugnen. Daraus erwächst ein 'Wunschhandeln', das sich von den Tatsachen nicht beirren lässt."
Tuchmann hatte diese Aussage auf Philipp II. bezogen, den spanischen König, der im Kampf gegen Elisabeth I. von England die Armada verlor. Der Untergang der Armada vor der britischen Küste war der Anfang vom Ende des spanischen Weltreiches und der Beginn des englischen gewesen.
18:04 Uhr
Haaretz: Israel erlaubt Besuch von Rotem Kreuz bei Gefangenen
Laut Bericht der israelischen Zeitung Haaretz werden die israelischen Behörden das erste Mal seit dem 7. Oktober 2023 einer Delegation des Internationalen Roten Kreuzes erlauben, die Gefangenenlager zu besichtigen, in denen nach aktuellem Stand mindestens 9.000 Palästinenser gefangen gehalten werden.
Allerdings handelt es sich laut der Zeitung um ein begrenztes Besichtigungsrecht: Persönliche, nicht überwachte Gespräche mit den Gefangenen werden nicht erlaubt.
17:45 Uhr
Israelische Angriffe auf den Südlibanon werden verstärkt
Bis jetzt forderten die israelischen Angriffe auf den Südlibanon heute bereits mehr als zehn Todesopfer. Die Intensität der Luftabgriffe nimmt also weiter zu.
Breaking | Israeli aircraft carry out massive airstrikes on towns in southern Lebanon. pic.twitter.com/BAZL63LHhB
— Quds News Network (@QudsNen) May 8, 2026Betroffen war unter anderem der Ort Tura, der auch gestern bereits Ziel eines Luftangriffs war. Gestern wurde dabei ein Rettungssanitäter getötet, heute fielen ihm zwei Männer und zwei Frauen zum Opfer, acht weitere Personen wurden verwundet. Von dem gestrigen Angriff auf den Krankenwagen gibt es ein Video:
In der Stadt Abbasija, die in der Nähe von Tura liegt, ergingen Aufforderungen zur Evakuierung.
Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums liegt die Zahl der Opfer des israelischen Einmarsches inzwischen bei 2.759.
17:10 Uhr
Weitere Zusammenstöße zwischen US-Truppen und Iran
Wiederholt werden Zusammenstöße zwischen iranischen und US-Truppen aus der Straße von Hormus gemeldet. Das berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars.
Dem vorausgegangen war ein US-Angriff auf zwei Tanker, die Sea Star III (IMO 9569205) und die Sevda (IMO 9172040). Die Sea Star III ist ein 2011 in China gebauter Tanker, der in China versichert ist. Eigentümer ist die staatliche iranische Reederei. Die Sevda wurde 1999 in Südkorea gebaut, gehört auch der staatlichen iranischen Reederei und fährt ebenfalls die China-Route, unterliegt im Gegensatz zur Sea Star III jedoch keinen US-Sanktionen. Beide Tanker haben vor etwa einem Monat ihr Satellitensignal abgeschaltet. Das Portal Binance meldete, die iranische Besatzung habe via Funk den Angriff gemeldet und um Unterstützung durch iranische Truppen gebeten.
Am Morgen erst hatte das chinesische Außenministerium seine "tiefe Besorgnis" ausgedrückt, dass "eine große Zahl von Schiffen und Besatzungsmitgliedern durch den Konflikt in Mitleidenschaft gezogen und in der Straße gestrandet ist". Hintergrund dessen war vermutlich ein Angriff am Montag oder Dienstag auf einen Tanker für Chemieproduktie, die JV Innovation (IMO 9276688), die unter der Flagge der Marschallinseln fährt, aber auf allen Schifffahrtsportalen überdeutlich "chinesischer Eigner und Besatzung" signalisiert. Es soll dabei jedoch kein Besatzungsmitglied zu Schaden gekommen sein. Allerdings ist eine iranische Verantwortung für diesen Treffer höchstens durch Zufall vorstellbar; ganz anders sieht es mit den US-Amerikanern aus, die mit den beiden oben erwähnten Tankern ebenfalls Schiffe angegriffen haben, die China beliefern.
Auch wenn sich die Zusammenstöße bisher auf kleine Schusswechsel beschränken – die Reaktion des chinesischen Außenministeriums, die heute auf Global Times veröffentlicht wurde, könnte andeuten, dass die chinesische Geduld sich langsam dem Ende nähert.
16:19 Uhr
ZDF-Korrespondentin feiert US-Angriff auf Iran: "Hab auf dem Hotelflur getanzt"
Die ZDF-Korrespondentin Golineh Atai präsentierte Paul Ronzheimer ihre Vorstellung journalistischer Neutralität zum Krieg gegen Iran. Im Podcast des Stellvertretenden Bild-Chefredakteurs schilderte die in Teheran geborene Journalistin ihre Freude über den US-israelischen Angriff auf Iran: "Wir waren in Jordanien und ich habe angefangen, nach Mitternacht auf dem Hotelflur zu tanzen."
Als Paul Ronzheimer nachhakte, wann sich ihr "Jubel" über den völkerrechtswidrigen Angriff gelegt habe und sie wieder zur "Realität" zurückgekehrt sei, bekräftigte die Leiterin des ZDF-Studios in Kairo: "Der Jubel ist immer noch da." Auf die Frage, ob sie versucht habe, direkt aus Iran zu berichten, antwortete Atai, die nach eigenen Angaben im Alter von fünf Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland zog: "2008 war meine letzte Reise."
Golineh Atai berichtete in der Vergangenheit als ARD-Moskau-Korrespondentin bereits über den Ukraine-Konflikt und stellte den Euromaidan als eine authentische Graswurzelbewegung dar.
15:00 Uhr
Washington erwartet noch heute Antwort Irans auf US-Vorschlag
Die Vereinigten Staaten erwarten noch heute eine Antwort Irans auf den Vorschlag zur Beendigung des Krieges, sagte US-Außenminister Marco Rubio. Er hoffe, dass es sich um ein "ernsthaftes Angebot" handele.
"Wir sollten heute etwas erfahren", sagte Rubio bei einem Pressegespräch in Rom am Morgen.
"Bis zur Stunde haben wir noch nichts erhalten", fügte er hinzu. "Ihr System ist weiterhin stark fragmentiert und ebenfalls ineffizient, was ein Hindernis darstellen könnte."
Der ranghöchste US-Diplomat betonte, dass die Hoffnung bestehe, die iranische Antwort sei "etwas, das uns in einen ernsthaften Verhandlungsprozess bringen kann".
Rubio erwähnte zudem Berichte, wonach Iran eine Art Behörde eingerichtet habe oder einzurichten versuche, die den Verkehr in der Straße von Hormus kontrollieren solle. Dies sei "sehr problematisch und tatsächlich inakzeptabel".
14:40 Uhr
Iran weitet wegen US-Seeblockade Schienenverkehr mit China stark aus
Iran verstärkt den Handel mit China über die Schiene, um die Auswirkungen der US-Blockade seiner Häfen abzumildern und sich an den Druck anzupassen, der seine Wirtschaft strangulieren soll. Die Zahl der Güterzüge von Xi’an in Zentralchina nach Teheran ist laut mit den Lieferungen vertrauten Personen von etwa einem Zug pro Woche vor dem Konflikt auf einen Zug alle drei bis vier Tage seit Beginn der Blockade am 13. April gestiegen.
Die Frachtkosten sind stark gestiegen. Die Preise für den Transport eines standardisierten 40-Fuß-Containers auf dieser Strecke lagen diese Woche laut den Personen bei bis zu 7.000 US-Dollar – rund 40 Prozent mehr als üblich. Die Personen wollten anonym bleiben, da sie nicht befugt sind, mit den Medien zu sprechen.
Die Route, die durch Kasachstan und Turkmenistan verläuft, kann jedoch nur einen kleinen Teil des Ausfalls ausgleichen, der durch die US-Blockade entsteht.
Die Marineoperation begann vor etwa drei Wochen. Sie verhindert, dass Teheran den Großteil seines Öls exportiert und lebenswichtige Getreidelieferungen importiert. Bereits jetzt zeigen sich Belastungen für die iranische Wirtschaft: Der Rial ist stark unter Druck geraten.
Derzeit verläuft der Handel größtenteils nur in eine Richtung: Container werden vor allem mit Industrie- und Konsumgütern nach Iran transportiert, darunter Autoteile, Generatoren und Elektronik, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Iranische Beamte erklärten zudem, dass geprüft werde, künftig auch Produkte wie Petrochemikalien und Treibstoffe per Bahn zu exportieren.
Gleichzeitig laufen Pläne, die Transportkapazitäten im Juni weiter auszubauen. Die China-Route ist dabei nur ein Bestandteil einer jahrelangen Strategie Teherans, gemeinsam mit Verbündeten neue Logistikkorridore auszubauen und sich gegen westlichen Druck abzusichern.
Bereits im Oktober begann Iran erstmals mit dem Export von Diesel per Bahn nach Afghanistan. Genutzt wird dafür die 225 Kilometer lange Bahnstrecke Khaf–Herat, die die nordöstliche iranische Provinz Chorasan-e Razavi mit der afghanischen Stadt Herat verbindet, berichteten staatliche Medien.
Der staatliche Sender Press TV bezeichnete die Verbindung nach Xi’an in einem Bericht zum Betriebsstart im vergangenen Jahr als eine "lebenswichtige Notfalllösung, um den bilateralen Handel vor den Tentakeln der US-Hegemonie zu schützen".
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